LKW-News

aktuell und informativ

AdBlue-Preis explodiert: Angst vor Umweltschäden, undeckbare Kosten und Hamsterkäufen

AdBlue-Preis explodiert: Angst vor Umweltschäden, undeckbare Kosten und Hamsterkäufen - LKW-News aktuell und informativ

Verteuerung und Verknappung von AdBlue: Die Folgen könnten enorm sein.

Der Dieselzusatz AdBlue reduziert den Ausstoß schädlicher Stickoxide durch ein Filtersystem um bis zu 90 Prozent. Der Ukraine-Krieg beeinflusst auch die Preisbildung dieses Stoffes, sodass die Bevölkerung nun vor der Frage steht, in welche Richtung sich dieses Tatsache auswirkt: Mehr Umweltverschmutzung oder teurere Lebensmittel? Europa ist am stärksten von der Verknappung betroffen. Die Logistikbranche meldet an, auf den Zusatz verzichten zu wollen.

Der Hintergrund der AdBlue-Verteuerung ist dieser: Aufgrund der hohen Erdgaspreise ist die Produktion zur Herstellung von Ammoniak, das für die Herstellung von AdBlue benötigt wird, von Anlagen in Polen, Frankreich, Kroatien, Portugal und Italien verringert worden. Ein Liter des Zusatzes kostet derzeit mit rund 1,6 Franken pro Liter fast vierfach so viel. Dass AdBlue nun zusätzlich zu Benzin und Diesel teurer wird, gleicht für vielen Spediteuren einer Hiobsbotschaft. Der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck befürchtet im Zuge dessen Hamsterkäufe.

Was sind die Folgen für Logistik, Wirtschaft und Bevölkerung?

Für Logistikunternehmen kommt es dazu nicht nur zu hohen Preise. «Ohne AdBlue könnte ein großer Teil der Schweizer Flotte nicht mehr einsatzfähig sein», gibt das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) bekannt. Muss auf AdBlue verzichtet werden, da eine Verknappung abzusehen ist, springen einige Motoren gar nicht erst an oder laufen mit gedrosselter Leistung.

Josef Jäger, Geschäftsführer von Camion Transport AG:

«Sollte AdBlue nicht mehr in genügender Menge erhältlich sein, würden Lastwagen stillstehen.»

Die aufgrund einer Umweltschutznorm eingebaute Funktion kann letztlich also zu Komplikationen im Arbeitsablauf und im schlimmsten Fall zu Lieferausfällen führen.

Die AdBlue-Knappheit könnte also ein Dominosystem lostreten: Ausfälle in der Straßentransportbranche könnten Auswirkungen auf die Lieferungen lebenswichtiger Artikel für die Schweizer Bevölkerung haben.

Thomas Grünwald, BWL-Sprecher:

«Wird AdBlue knapp, könnten die neueren dieselbetriebenen Lastwagen die Umweltnorm nicht mehr einhalten.»

BWL-Brecher Thomas Grünwald entschärft das Szenario etwas, indem er sagt, dass die Wirtschaft solche Güter bei schweren Mangellagen mit Maßnahmen in der Logistik sowie Pflichtlagern reagieren kann. Die Transportbranche fordere laut Grünwald nun, den AdBlue-Artikel in der gesetzlichen Verordnung vorübergehend außer Kraft zu setzen. «Dies würde es den Transport-Unternehmen erlauben, in Marken-Werkstätten die Software OBD, welche die Verwendung von AdBlue kontrolliert, zu deaktivieren.»

Dass höhere Unternehmenskosten wegen stehender Verträge nicht einfach auf den Kunden umgelagert werden können, ist bekannt. Die Ertragslage sei belastet und daher seien die hohen Kosten für AdBlue ein sehr großes Problem, so Josef Jäger, Geschäftsführer von Camion Transport AG. Noch schlimmer wäre es, wenn AdBlue ganz ausgeht, denn dann «würden Lastwagen stillstehen.» Die Folge: «Frischprodukte und Waren des täglichen Bedarfs könnten aus den Supermärkten verschwinden oder deutlich teurer werden.» Und: «Sehr schnell würden aber auch die Produktion und die Baustellen stillstehen.»

Eine (vorübergehende) Lösung auf Kosten der Umwelt

Da schwer abzuschätzen ist, in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt, sei es das Sicherste, sich auf eine AdBlue-Knappheit einzustellen. Fahrzeuge müssten auch dann fahren können, vor allem mit derselben Motorleistung, wenn kein AdBlue in die Tanks gefüllt werden könne, so Thierry Burkart, Zentralpräsident des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands (ASTAG). Andernfalls sei sowohl die Versorgung als auch die Entsorgung massiv beeinflusst.

Aus der Perspektive der Umwelt ist die Forderung der Abschaffung des AdBlue-Artikels jedoch abzulehnen. Würde die Filterung durch AdBlue ausfallen, «würde die Belastung an gesundheitsschädlichen Schadstoffen wie Stickoxiden und Feinstaub massiv verschlimmern und der Gesundheit der Bevölkerung und der Umwelt allgemein sehr schaden», erklärt Jon Pult, SP-Nationalrat und Präsident der Alpeninitiative. Angesichts der drohenden kritischen Situation muss jedoch eine Lösung gefunden werden: «Falls der Bund – während bedeutender Lieferengpässe von AdBlue – eine solche temporäre Befreiung der Abgaspflicht umsetzten sollte, müsste diese unbedingt insgesamt so kurz wie möglich sein.»

Bezugsquellen: 20min; AgrarHeute
Foto: Pixabay – myshoun