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Schweizer Nationalstrassen sollen umweltfreundlich werden

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Das Titelbild des Berichtes zeigt eine Wildtierbrücke.

Das Bundesamt für Straßen ASTRA hat zum ersten Mal einen Bericht veröffentlicht, der das Thema „Umwelt“ in den Fokus rückt. Das Dokument beleuchtet die Bereiche Lärm- und Gewässerschutz, Biodiversität und Energie – sowohl was den aktuellen Stand als auch die geplante Vorausschau angeht.  

Das Netz der Schweizer Nationalstraßen soll nachhaltiger werden. Der 22-seitige Bericht des Schweizer Bundesamtes für Straßen „Nationalstraßen und Umwelt“ zeigt auf, wie. Nachhaltigkeit bedeutet, die Interessen von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt ausgewogen miteinander zu vereinen. Wo bisher Abstriche gemacht wurden, gilt es diese auszugleichen. Das Titelbild des Berichtes zeigt eine Grün- oder Wildbrücke über eine vierspurige Nationalstrasse. Solche Brücken ermöglichen es Wildtieren, ihre natürlichen Lebensräume möglichst beizubehalten und ansonsten unüberwindliche Verkehrswege zu überqueren. Doch Grünbrücken sind nur ein Aspekt nachhaltigen Straßenbaus.

Lärmschutz als Herausforderung

Mobilität und schnelle Beförderung von Waren beispielweise sind Erfordernisse unserer Zeit. Doch der Ausbau des Straßennetzes bringt als Begleiterscheinung einen hohen Lärmpegel mit sich. Geschwindigkeit ist hier ein Kriterium, wer in der Nähe einer Autobahn wohnt, kennt das Phänomen. Kleinere Landstraßen hingegen wirken sich auf die Lärmbelastung vergleichsweise gering aus.

Der Bund hat bislang 3,1 Milliarden Franken an Lärmschutzmassnahmen investiert. Dazu gehören nicht nur Schallschutzwände, sondern auch schalldämpfende Straßenbeläge oder -absorbierende Verkleidungen. Das Schweizer Nationalstraßennetz sei in Sachen Lärmschutz bereits zu 93 Prozen gut ausgebaut, was die Menschen vor zu hohen Lärmbelastungen schützt. In den nächsten 10 Jahren plant das ASTRA Baumaßnahmen in Höhe von weiteren 800 Millionen Euro, um noch vorhandene Lücken zu schließen.

Filterung von Strassenabwasser

Wasser, das von den Straßen abfließt, ist in der Regel mit Schadstoffen belastet. Es enthält Partikel von Reifen- und Bremsabrieb, von Abfällen abgesehen, die aus dem Auto geworfen werden. Bevor das Straßenabwasser ins Grundwasser oder natürliche Oberflächengewässer fließt, sollte es gereinigt sein. Auf Überlandstrecken filtert normalerweise der umgebende Boden. Ansonsten werden spezielle Straßenwasserbehandlungsanlagen (SABA) gebaut.

Nationalstrasse 3 am Gotthard
Die Schweizer Nationalstrassen spiegeln die landschaftliche Vielfalt wider, wie hier die Nr. 3 am Gotthard.

Biodiversität entlang von Nationalstrassen

Die Vielfalt von Pflanzen und Tieren, Biodiversität genannt, ist auch ein wichtiges Kriterium einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise. Straßen, die in der Regel natürliche Lebensräume und Reviere zerschneiden und für viele Tiere Todeszonen schaffen, stehen hiermit oftmals in Konflikt. Doch kann es auch andersherum gehen: Böschungen oder Grünflächen, die im Zuge des Straßenbaus entstehen, bilden neue Lebensräume, beispielsweise für Insekten.
Derartige Lebensräume will das ASTRA künftig aufwerten und vernetzen, verspricht der Bericht.
So sollen etwa neue Querungshilfen für Wildtiere entstehen, damit die Nationalstrasse für die Fauna wieder passierbar wird. In erster Linie werden die problematischsten Stellen bearbeitet – zum Beispiele Streckenabschnitte, auf denen Kollisionsgefahr mit Rotwild besteht. Wo nötig, werden die Nationalstrassen mit weiteren Wildtierquerungen ergänzt.

Nachhaltigkeitsthema Energie

Energie ist keinesfalls ein selbstverständliches Gut und ein ressourcenschonendes und nachhaltiges Wirtschaften ein Gebot der Stunde. Auch Nationalstraßen sind hiervon betroffen. Tunnelbelüftungen oder Beleuchtungen verbrauchen Strom. Möglicherweise kann dieser sogar innerhalb der Straßeninfrastruktur selbst erzeugt werden, indem Eigenbauten, etwa Lärmschutzwände, mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Diese Optionen will das ASTRA für die Nationalstraßen nun ebenfalls prüfen.
Dass das Thema Nachhaltigkeit vermehrt in den Fokus des Schweizer Straßenbaus rückt, steht nicht zuletzt für einen sich allmählich in der Gesellschaft vollziehenden Wertewechsel. Zwar sind funktionierende Verkehrswege weiterhin die Voraussetzung für Mobilität, doch gilt es dabei für die Zukunft vermehrt die Belange der Natur als unserer Lebensgrundlage zu achten.

Bezugsquellen: ASTRA – Bericht Nationalstrassen und Umwelt 2021
Bild: Screenshot des Titelbilds ASTRA-Bericht und Pixabay