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Ukraine-Krieg erzwingt beschleunigte Neuordnung der Logistik

Container und darüber fliegendes Flugzeug

Die Luftfracht ist im Moment groß im Kommen.

Russland ist aus den «Nervenbahnen des Welthandels», wie die Cash schreibt, ausradiert. Vor allem Luft- und Schifffahrt stehen nun vor einer Herausforderung. Sie müssen neue Verbindungen knüpfen, um die Kunden weiterhin versorgen zu können. Dabei sind die Folgen der Corona-Krise noch nicht ganz ausgestanden. China und die Westküste sind besonders betroffen. Linienreedereien profitieren indessen.

Während in China die Pandemie immer wieder zuschlägt, stauen sich in Los Angeles die Container. Kunden warten wochenlang auf ihre Produkte, weitere Lieferketten verzögern sich. Probleme gehen mit scheinbaren Nichtigkeiten weiter. Wenn der Stromzugang fehlt, sind viele Frachten vom Verderb bedroht. Rainer Horn, Sprecher der Maersk-Tochter Hamburg-Süd, erinnert sich an die Anfänge der Coronapandemie: «Damals hat man zwei große Schiffe auf Reede liegen lassen, um die Steckdosen an Bord für die Kühlcontainer zu nutzen.»

Aufgrund dieser Erfahrung wurde die Wareneinfuhr nach Russland nach den Sanktionen gegen das Land schnell gestoppt. Das betrifft auch bereits zugesagte Transporte. «Kunden können gebührenfrei ein neues, alternatives Ziel für die Ladung festlegen.» Allerdings besteht trotzdem die Notwendigkeit, Container zwischenlagern zu müssen. Daraus schlagen die Containerterminals Profit: Die HHLA verlangt ein Standgeld.

Ein weiteres Problem: Leere Container fehlen, die sonst nach der Löschung der Ladung aus Russland wieder mitgenommen werden würden. Im Fall der dänischen Reederei Maersk sind es rund 50.000, die nun mit dem Zug zurückgeschafft werden sollen. Hier gibt es allerdings Kapazitätsprobleme, da auf einen solchen nur etwa 80 bis 100 Container passen. Auf ein Schiff können locker 10.000 geladen werden. Unterstützung durch den Straßentransport ist u. a. wegen des Fehlens ukrainischer LKW-Fahrer, die in den Wehrdienst gerufen werden, an dieser Stelle nicht zu erwarten.

Arbitrage-Geschäft am Boden

Containerlinien wie MSC aus der Schweiz profitieren von der Situation: Frachtraten sind enorm gestiegen, Transportraum ist knapp. Die Schifffahrtskonzerne nutzen das für sich: «Die Spediteure leben davon, dass sie große Mengen an Ladekapazität auf bestimmten Strecken einkaufen und diese kleinteilig und teuer an ihre Kunden weiterverkaufen … Die brauchen wir im Moment nicht, weil die Nachfrage groß ist», erläutert ein Vertreter der Linienreederei die Situation. «Das machen wir selber», erklärt er weiter, «weil daran auch eine Marge hängt … Wir liefern bis an die Haustür.» Das Arbitrage-Geschäft ist so gut wie tot.

Die Reedereien denken strategisch und investieren in Fluglinien, Containerterminals und LKW-Flotten. So kann den Kunden alles aus einer Hand angeboten werden. Sowohl MSC als auch Maersk, aber auch Amazon und Kühne + Nagel sind auf diesen Zug aufgesprungen – obwohl es zu weiteren Verzögerungen wegen des gesperrten Luftraums über Russland kommen wird.

Bezugsquelle: Cash
Foto oben: Pixabay – myUKhub2; Foto Mitte: Pixabay – Geralt