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Krieg in der Ukraine – Transportkrise in der EU

Krieg in der Ukraine – Transportkrise in der EU - LKW-News aktuell und informativ

Durch die Kriegssituation sind zukünftige Lieferengpässe sehr wahrscheinlich.

Obwohl die Ukraine und die verheerenden Kämpfe rund 1600 km weit weg sind, sind die Auswirkungen der katastrophalen Verhältnisse womöglich auch bald in Deutschland und ganz Europa zu spüren. Denn es könnte schon bald an 100.000 ukrainischen Transportfahrern fehlen. Die Elvis AG und der BVMW befürchten einen Lieferengpass.

Dass ein Fahrermangel auf dem europäischen Transportmarkt besteht, ist länger kein Geheimnis mehr. Durch den Angriffskrieg könnte sich die Situation jedoch verschärfen, so der Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (Elvis AG) und der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW). In einer gemeinsamen Pressemeldung appellieren sie an die Spediteure und Logistikunternehmen, sich bestmöglich auf die zu erwartenden Kapazitätsengpässe am Transportmarkt vorzubereiten.

Als mitverantwortlich für diesen Engpass identifiziert Nikolja Grabowski, Vorstand der Elvis AG, die Einführung des Mobilitätspakets. «Das könnte uns jetzt zum Verhängnis werden.», schlussfolgert er zu den Umständen in Summe. Bis heute gebe es keine belastbaren Lösungskonzepte.

Die Regelungen des Mobilitätspakets, insbesondere die Rückkehrpflicht der eingesetzten Fahrzeuge an den Ort der Niederlassung, haben die Lage eher noch verschärft.

Ein Grund dafür ist, dass osteuropäische Transportflotten einen großen Teil des LKW-Verkehrs noch immer in Deutschland abheben, wie eine Mauterhebung ergab. Da das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) die Fahrleistungen nicht gesondert erfasst, kann nicht ausgesagt werden, wie viele Fahrer aus der Ukraine regelmäßig Transporte fahren, die zukünftig fehlen könnten.

stark befahrene deutsche Autobahn, zwei LKW im Vordergrund
Schätzungen sprechen von einem Mangel von 100.000 ukrainischen Fahrern.

Doch kann prozentual bestimmt werden, welche osteuropäischen Fahrer polnischer Herkunft sind. Ganze 17,5 Prozent der deutschen Fahrleistungen sind auf polnische Fahrer zurückzuführen, was gut der Hälfte der durch ausländische Unternehmen durchgeführten Transporte entspricht. Das Problem: Viele in Polen beschäftige Fahrer stammen aus der Ukraine, so die Elvis AG.
Diese werden ihrer Arbeit nun voraussichtlich nicht mehr nachgehen können, da sie entweder der Einberufung zur allgemeinen Mobilmachung von Präsident Selenskyj Folge leisten oder mit ihren Familien zur Flucht aufbrechen. Klaus Meyer, Vorsitzender der Fachkommission Logistik und Mobilität im BVMW, rechnet hoch:

Wir reden hier von geschätzten 100.000 ukrainischen Fahrern, die sich aktuell allein in Polen aufhalten und den Transportunternehmen schon bald nicht mehr zur Verfügung stehen. Das käme einem Aderlass gleich, der sich kaum kompensieren ließe.

Diese Situation scheint aussichtslos, doch Grabowski präsentiert eine Idee: Neben der Intensivierung des Kontakts der Spediteure und Transportdienstleistern zu ihren Auftraggebern und Subunternehmen und der Vorbereitung auf die Verknappung könnte zudem das Mobiltätspaket für eine gewisse Zeit ausgesetzt werden.

Ohne die Regelungen grundsätzlich in Frage zu stellen, braucht die Transport- und Logistikbranche in Europa jetzt jede Möglichkeit, flexibel zu agieren, um ihren Versorgungsauftrag erfüllen zu können.

Fernab dieser sehr konkreten Vorschläge zur Lösung der Lieferverkehrsengpässe bleibt zu hoffen, dass Russland, das der Ukraine am 24. Februar den Krieg erklärte und so für die katastrophalen wirtschaftlichen und vor allem sozialen Folgen verantwortlich ist, sich durch die vielen negativen globalen Reaktionen      (z. B.  ➤ Volvo stoppt Produktion und Verkauf in Russland) seine Bemühungen einstellt.

Bezugsquelle: Transport Online
Bild oben: Pixabay – SofiLaya; Bild Mitte: Pixabay – Schwoaze