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Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung 2022 – Viele Ungewissheiten lassen kaum Prognosen zu

Teurere Rohstoffpreise treffen Fahrzeughersteller mit voller Wucht - LKW-News aktuell und informativ

Steigt die Inflation weiter an, so werden bald alle beim Geldausgeben noch genauer hinschauen müssen.

Aktuell liegen erst die Daten zu den Monaten Januar und Februar vor. Für diesen Zeitraum spielt der Krieg in der Ukraine fast keine Rolle. Nicht nur aufgrund dessen bleibt die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung entsprechend hoch.
Im aktuellen Berichtsmonat Februar ergab sich ein gemischtes Bild: Die Industrieproduktion stagnierte, die Auftragseingänge gingen spürbar zurück. Dafür konnte sich der Außenhandel nach einem schwachen Start ins erste Quartal wieder erholen.

Viele offene Fragen…

Erste Antworten auf viele offene Fragen wird es im nächsten Monat geben, in dem erstmals harte Konjunkturindikatoren für den Berichtsmonat März vorgelegt werden.

Wie machen sich die gegenüber Russland erlassenen Sanktionen im Außenhandel bemerkbar?
Welchen Effekt haben die hohen Energiepreise und mögliche neue Lieferengpässe auf die Produktion? Und wie gehen Konsumenten und Investoren mit der gestiegenen Unsicherheit um?

Wenn man lediglich die Import- und Exportwerte betrachtet, kann ein deutlicher Anstieg von etwa einem Viertel (24,9%) beziehungsweise von fast einem Fünftel (18,2%) für den Februar 2022 im Vergleich zum Februar 2021 ausgemacht werden.
Dieser Trend könnte die Logistikbranche prinzipiell positiv stimmen, doch viele positive Prognosen zur Entwicklung 2022 werden aktuell von den Experten zurückgenommen beziehungsweise angepasst.

Was bringt der Frühling…?

Die Gemeinschaftsdiagnose (DIW Berlin, ifo München, IfW Kiel, IWH Halle und RWI Essen) sowie der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung haben vor kurzem ihre Frühjahrsprojektionen vorgelegt.

So erwartet man in diesem Jahr einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 2,7 % und im kommenden Jahr um 3,1 %. Wegen der nun abflauenden Pandemie wäre es zu einer kräftigen Konjunkturerholung gekommen. Diese Erholung wird nun aber durch den Krieg in der Ukraine zunächst gebremst. Das Vorkrisenniveau wird demnach erst im dritten Quartal des laufenden Jahres wieder erreicht. Die Verbraucherpreise legen im Jahr 2022 mit +6,1 % so kräftig zu wie seit vier Jahrzehnten nicht mehr. Im Jahr 2023 bleibt die Inflationsrate mit +2,8 % deutlich über der durchschnittlichen Rate seit dem Mauerfall.
Auch haben die Wirtschaftsforschungsinstitute das alternative Szenario eines sofortigen Embargos von Erdöl und Erdgas für die Lieferungen von Russland in die Europäische Union analysiert. In diesem Fall gerät die deutsche Wirtschaft in eine schwere Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt würde dann in diesem Jahr nur noch um 1,9 % wachsen und im kommenden Jahr sogar um 2,2 % zurückgehen. Die Inflationsrate würde mit +7,3 % im Jahr 2022 und +6,5 % ihre hohen Werte aus dem Basisszenario nochmals deutlich übersteigen.

Auch der Sachverständigenrat hat seine Wachstumsprognose für das Jahr 2022 deutlich auf +1,8 % nach unten korrigiert, während er im Herbst noch von einem deutlichen Zuwachs von 4,6 % ausgegangen war. Als Gründe nennt er das Pandemiegeschehen, die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe und Energie sowie den Ausbruch des Kriegs in der Ukraine. Die Inflationsrate wird nach Einschätzung des Rates im Jahr 2022 bei +6,1 % liegen (Jahresgutachten 2021: 2,6 %) und im nächsten Jahr wieder auf +3,4 % zurückgehen. Neben den stark gestiegenen Energiepreisen verweist der Rat hier auch auf einen gewissen Lohndruck und steigende Nahrungsmittelpreise.

Erste Entwarnung in Sachen Energiepreise?

Bei Öl und Gas (Futures) deuteten die Entwicklungen jedoch darauf hin, dass sich der Preisdruck bei Energie im Jahresverlauf abschwächen wird.

Die neuen Prognosen der Gemeinschaftsdiagnose und des Sachverständigenrates sind erste Einschätzungen, die die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs in aktuellen Prognosen verarbeiten. Die konjunkturelle Entwicklung ist gegenwärtig von sehr großer Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Krieges geprägt. Die Bundesregierung wird ihre Frühjahrsprojektion am 27. April 2022 veröffentlichen.

Anmerkung: Die Angaben des Berichts beziehen sich auf Daten, die bis zum 12. April 2022 vorlagen. Die prozentualen Angaben zu Import und Export sind nicht preisbereinigt.

Bezugsquelle: bmwi.de
Bild: Archiv